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Fentanyl

Fentanyl ist ein starkes synthetisches μ-Opioid welches zur Anästhesie und als Analgetikum eingesetzt wird. Es hat eine analgetische Potenz von 120.

Missbräuchlich wird Fentanyl, wie Heroin, intravenös gespritzt, nasal, transdermal oder oral aufgenommen. Es hat ein ebenso starkes Abhängigkeitspotential und durch seine schwierige Dosierbarkeit eine wesentlich höheres Risiko für tödliche Überdosierungen.

Als besonders gefährdet gelten medizinische Berufe, welche Zugang zu pharmazeutisch hergestelltem Fentanyl haben. In den letzten Jahren scheint es aber zunehmend auf dem illegalen Markt aufzutauchen, insbesondere in Kanada und den USA, wo z.T. gefälschte Oxycodon-Tabletten mit Fentanyl verkauft wurden (Lookalike), aber auch in Bayern[1], Finnland und Estland.

Konsum Bearbeiten

Dosierung und Konsumform Bearbeiten

Fentanyl wird meist in Form von pharmazeutischen Pflastern verkauft, die für die transdermale Applikation (also durch aufkleben auf die Haut) gedacht sind. Durch diese Applikationsform wird der Wirkstoff langsam und verteilt über längere Zeit abgegeben. Die Angabe 12,5µg/h bedeutet, dass 12,5µg Fentanyl pro Stunde abgegeben werden. Normalerweise ist auf der Verpackung dieser Pflaster vermerkt, dass ein Stück 72 Stunden lang Wirkstoff abgibt, allerdings wirkt es auch nach dieser Zeit noch, es werden immer weniger Fentanyl pro Stunde abgesondert. Insgesamt hält es etwa 80 Stunden.

Für den missbräuchlichen Konsum werden diese Pflaster oft zerschnitten und dann unter die Zunge gelegt, also sublingual aufgenommen. So wird viel schneller viel mehr Wirkstoff aufgenommen. Um nicht überzudosieren wird bei dieser Methode ausgerechnet wie viel µg Fentanyl auf einen cm² Pflaster kommen und dann genauestens ausgemessen. Da neben Fentanyl auch Klebstoff und Lösemittel im Pflaster enthalten sind, ist das nicht die gesündeste Methode.

Auch üblich ist die Extraktion mittels Ethanol. Die Pflaster werden dafür 1-2 Tage in reines Ethanol aus der Apotheke gelegt, dosiert mittels Spritze ohne Kanüle, so kann durch Rechnung z.B. eine Lösung mit 100µg Fentanyl / ml Ethanol hergestellt werden.

Die Pflaster werden meist nicht mit dem tatsächlichen Fentanylgehalt beworben, sondern mit der Menge abgegeben Fentanyls bei sachgemäßer transdermaler Anwendung. Diese spielt für den Missbrauch aber keine Rolle. Pflaster mit folgenden Dosierungen sind in Deutschland standard:

Jemand ohne Toleranz benötigt bei oraler/sublingualer Applikation 25µg/50µg (also ca. ein Vierzigstel bis ein Siebziegstel eines 12,5µg/h Pflasters) für leichte bis mittlere Effekte. Aufgrund der extremen Potenz und Gefährlichkeit von Fentanyl muss sich langsam und vorsichtig an die richtige Dosis herangetastet werden.

Wenn, ebenfalls ohne Toleranz, transdermal konsumiert wird, liegt die Dosis für eine mittlere Wirkung bei einem 25µg/h Pflaster.

Wirkung Bearbeiten

Im Gegensatz zu anderen Opioiden wird die Wirkung von Fentanyl als stark sedierend und "kalt" beschrieben, oft fühlt sich der Konsument nicht so wohl und euphorisiert wie bei vergleichbaren Stoffen.

Dies kommt jedoch auf den Konsumenten an. Grade in kleinen Dosierungen kann Fentanyl auch sehr motivierend und leistungssteigernd wirken. Allerdings ist dies meist eher bei Konsumenten der Fall die regelmäßiger Opiate/Opioide zu sich nehmen.

Risiken Bearbeiten

Neben den typischen Risiken von Opioiden ist das Risiko einer Überdosis durch die schwierige Dosierung und die hohe Potenz erhöht. Fentanyl führt wegen seiner stark sedierenden Komponente schneller zu Atemdepressionen als andere Opioide. Die stärkere Verbreitung von Fentanyl auf dem illegalen Drogenmarkt wird mit einer erhöhten Anzahl an Drogentoden in Verbindung gebracht.

BeschaffungBearbeiten

ÄrztehoppingBearbeiten

Da Fentanyl eine verschreibungsfähiges Betäubungsmittel ist, könnte es durch Vortäuschung einer Erkrankung beschafft werden. Üblicherweise klappern Menschen mit dieser Absicht eine große Anzahl von Arztpraxen ab (Ärztehopping).

Indikationen für die Verschreibung von Fentanyl, wie auch anderer starker Opioide, sind oft postoperative Schmerzen, Tumor-bedingte Schmerzen, Schmerzen in der palliativen Behandlung und chronischer nicht-tumorbedingte Schmerzen (CNTS). Jemand der sich die Droge unter Vortäuschung einer Erkrankung beschaffen will, wird also vermutlich CNTS vortäuschen. Hierfür kommen insbesondere Erkrankungen aus den orthopädischen Bereich in Frage, z.B. Knieschmerzen.

Typisch soll sein das Hopper kurz vor dem Wochenende oder an Feiertagen neu in einer Arztpraxis auftauchen, wenn die Wartezimmer voll sind und entsprechend wenig Zeit besteht, den Einzelnen eingehend zu untersuchen. Als Legende behaupten sie dann, dass sie das Schmerzmittel bereits in der Vergangenheit von ihrem üblichen Arzt verschrieben bekommen haben, der entsprechende Vorrat bald aufgebraucht sein wird, ihr Arzt gerade im Urlaub sei und sie deshalb schnell ein Rezept zur Überbrückung bräuchten. Um ihre Geschichte plausibel zu machen und sich selbst dumm stellen zu können bringen sie eventuell eine alte Medikamentenverpackung mit.[2]

Ärzten wird zur Reduzierung des Missbrauchs geraten:

  • Vorbefunde des Patienten prüfen.
  • Eine Schweigepflichtsentbindung gegenüber dem üblichen Arzt, Apotheker und Krankenkasse zu erreichen, um so auf Mehrfachverordnungen prüfen zu können.
  • körperliche Untersuchungen, bei der auf die für intravenösen Drogenkonsum typische Einstichstellen oder auf Operationsnarben geprüft wird und auf eventuelle Widersprüche zu den vom Patienten berichteten Krankheit.
  • Nur kleine Packungsmengen oder Einzelpflaster verschreiben.
  • Rücknahme und Vernichtung von nicht-gebrauchten Fentanyl-Pflastern.

Zur illegalen Beschaffung könnte ein Arzt natürlich auch Rezepte gegen Bestechung ausstellen. Fentanyl wird auch in der Tiermedizin verwendet, weshalb auch Veterinäre für eine illegale Weitergabe des Medikaments in Frage kommen.

Gebrauchte Fentanyl-PflasterBearbeiten

Fentanyl-Pflaster enthalten auch noch nach ihrer Verwendung eine große Menge des Wirkstoffes, welche etwa durch Extraktion gewonnen werden können. Diese Pflaster werden oft einfach im Abfall entsorgt, weshalb man sie entsprechend aus dem Müll fischen kann. Insbesondere Krankenhausabfälle bieten sich hier als möglich Quelle an.

Desweiteren können gebrauchte Pflaster auch direkt in der entsprechenden Szene illegal weiterverkauft werden.

SyntheseBearbeiten

Fentanyl soll mit chemischen Kenntnissen relativ leicht synthetisch herzustellen sein, was insbesondere für den Drogenhandel der Organisierten Kriminalität von Bedeutung sein wird. Es werden oft auch weniger gut erforschte Fentanyl-Derivate hergestellt.

TriviaBearbeiten

  • Der US-amerikanische Popstar Prince starb 2016 an einer Überdosis Fentanyl.[3][4]

QuelleBearbeiten

  1. https://www.tz.de/muenchen/stadt/wegen-verordnung-von-fentanyl-pflastern-arzt-verurteilt-7049728.html
  2. http://www.aerzteblatt.de/archiv/161932/Sucht-und-Drogen-Fentanyl-wird-zunehmend-missbraucht
  3. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/prince-wie-das-schmerzmittel-fentanyl-prince-getoetet-hat-a-1095649.html
  4. http://edition.cnn.com/2016/08/22/health/prince-pills-fentanyl/


Verwandte DrogenBearbeiten

Derivate ("Fentanyle")Bearbeiten

OpioideBearbeiten

Opioide (Kategorie)
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Opioid-Agonist 2-MF, 3-MF, Allylprodin, Alphaprodin, Anileridin, Buprenorphin Carfentanyl, Dextropropoxyphen, Exorphine, Fentanyl, Levacetylmethadol, Levomethadon, Meptazinol, Methadon, Mitragynin(Kratom), MPPP, Myrrhe, O-Desmethyltramadol (Krypton), Pentazocin, Pethidin, Piritramid, Prodin, PZM21, Remifentanil, Sufentanil, Tapentadol, Tilidin, Tramadol, W-18 Analgetika
Euphorika
Addiktiva
Morphinane
Desomorphin(Krokodil), Dihydrocodein, Heroin, Hydrocodon, Hydromorphon, Levallorphan, Levorphanol, Oxycodon
Opiate
Codein, Morphin, Thebain, Narcein
Schlafmohn-Zubereitungen: Blaumohn-Plörre(Mohnsaat), Opium, Opium-Tinktur, Opiumessig, Polnische Suppe
Endorphine
α-Endorphin, β-Endorphin, γ-Endorphin, α-Neoendorphin, β-Neoendorphin
Κ-Opioid-Agonist‎ Salvinorin A(Salvia divinorum) Dissoziativa
Opioid-Antagonist Naloxon, Naltrexon Antidot für Opioid-Agonsiten

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