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Giftlattich (Lactuca virosa), auch Wilder Lattich, Stinklattich, Stinksalat, ist eine einheimische krautige Pflanze mit einer vermuteten opioiden Wirkung. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Lactucarium genannte Milchsaft der Pflanze als billiger Opium-Ersatz verwendet. Die Wirkstoffe in Gift-Lattich sind unbekannt, weshalb es gegenüber in ihrer Wirkung standardisierbaren Arzneimitteln an Bedeutung verlor.

KonsumBearbeiten

DarreichungsformBearbeiten

Giftlattich kann als Wildpflanze in wenigen Regionen Deutschlands gefunden werden, Hauptsächlich an der Mosel und am Main. Weit verbreitet ist es vor allem in warmen Ländern des Mittelmeerraums, aber vermutlich durch seine Kultivierung als Arzneipflanze auch in viele anderen Weltregionen, wie Nordamerika, Pakistan, Indien und Australien.

Die ein- bis zweijährigen Pflanzen können aber auch aus Samen kultiviert werden.

Internetshops bieten auch unterschiedliche Giftlattich-Zubereitungen an.

Das Lactucarium, der getrocknete Milchsaft, kann gewonnen werden indem man die oberen Pflanzenteile, wie Blüten und Stängel, abschneidet und den aus den Stängeln fließenden Milchsaft in einem Gefäß auffängt. Dies kann mehrfach durch erneutes Abschneiden der Stängelspitze wiederholt werden.

Extrakte werden meist durch auskochen des Pflanzenmaterials in Wasser hergestellt.

ApplikationswegBearbeiten

Zum oralen Konsum kann das Pflanzenmaterial oder Lactucarium einfach verzehrt werden. Aus dem Pflanzenmaterial kann auch ein Tee gekocht werden oder das Extrakt oder Lactucarium wird in Flüssigkeiten gelöst.

Auch das Rauchen und Dampfen von Lattich-Zubereitungen ist wirksam.

DosierungBearbeiten

Als orale Dosis werden etwa 10-20g Pflanzenmaterial empfohlen, für eine leichte beruhigende Wirkung sollen auch schon 5g reichen.

Vom Lactucarium sollten nur 0,1-0,5g eingenommen werden.

Bei einer Überdosierung kann es zu unangenehmen Nebenwirkungen kommen.

WirkungBearbeiten

Meist wird die Wirkungen von Giftlattich als sedativ, hypnotisch, anxiolytisch und diuretisch beschrieben, z.T. auch als analgetisch und antitussiv.

Eine Einnahme von wesentlich mehr als einem Gramm Lactucarium soll Kopfschmerz, Schweißausbrüche und Schwindel hervorrufen. Im Tierversuch trat der Tod bei Überdosierung durch Herzstillstand ein.

Für ein opioides Wirkprinzip spricht die Überschneidung der typischen Wirkungen und anektdotische Berichte, dass sich mit Gift-Lattich-Zubereitungen ein opioides Abstinenzsyndrom aufheben lässt. Allerdings treten auch für Opioide untypische Nebenwirkungen auf und eine Wirkung auf Opioid-Rezeptoren ist bislang weder belegt noch widerlegt.

WirkstoffeBearbeiten

Man vermutet die wirksame Komponente in den enthaltenen Sesquiterpen-Lactonen und das sie wasserlöslich ist. Im wissenschaftlichen Fokus stehen hierbei vor allem Lactucin, Lactucopikrin und 11β,13-Dihydrolactucin, wobei widersprüchliche Ergebnisse in Tierversuchen vorliegen. Auch eine Glykosidfraktion mit dem Hauptbestandteil Lactusid A soll sich als wirksam gezeigt haben.

In vitro soll Lactucin als Adenosin-Agonist wirken[1] und Lactucopikrin als Acetylcholinesterasehemmer wirken. Ein Adenosin-Agonismus kann eine beruhigende Wirkung haben, allerdings auch die Herzfrequenz senken und so eine Erklärung für die Herzgiftigkeit im Tierversuch sein.

LegalitätBearbeiten

Giftlattich ist in der Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel (AMVerkRV) in Anlage 1b gelistet. Damit sind Giftlattich-Arzneimittel apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig.[2]

ReferenzenBearbeiten

  1. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874106001280
  2. https://www.strafverteidiger-schueller.de/schwerpunkte/drogen-von-a-z/giftlattich-strafe-samen-wirkung-legal-rauchen/

siehe auchBearbeiten

LatticheBearbeiten

Lactucarium wurde z.T. auch von anderen Arten der Gattung Lattich gewonnen, so etwa:

Verwandte DrogenBearbeiten

Opioide (Kategorie)
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Opioid-Agonist 2-MF, 3-MF, Allylprodin, Alphaprodin, Anileridin, Buprenorphin Carfentanyl, Dextropropoxyphen, Exorphine, Fentanyl, Levacetylmethadol, Levomethadon, Meptazinol, Methadon, Mitragynin(Kratom), MPPP, Myrrhe, O-Desmethyltramadol (Krypton), Pentazocin, Pethidin, Piritramid, Prodin, PZM21, Remifentanil, Sufentanil, Tapentadol, Tilidin, Tramadol, W-18 Analgetika
Euphorika
Addiktiva
Morphinane
Desomorphin(Krokodil), Dihydrocodein, Heroin, Hydrocodon, Hydromorphon, Levallorphan, Levorphanol, Oxycodon
Opiate
Codein, Morphin, Thebain, Narcein
Schlafmohn-Zubereitungen: Blaumohn-Plörre(Mohnsaat), Opium, Opium-Tinktur, Opiumessig, Polnische Suppe
Endorphine
α-Endorphin, β-Endorphin, γ-Endorphin, α-Neoendorphin, β-Neoendorphin
Κ-Opioid-Agonist‎ Salvinorin A(Salvia divinorum) Dissoziativa
Opioid-Antagonist Naloxon, Naltrexon Antidot für Opioid-Agonsiten
Adenosinergika
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Adenosin-Antagonist Baldrian
Adenosin-Agonist Coffein(Coca-Cola, fritz-kola, Energy-Drink, Guarana, Kaffee, Kolanuss, Mate, Club-Mate, Tee, Schwarzer Tee), Theobromin(Kakao, Schokolade) Stimulantien
Cholinergika
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Acetylcholin-Agonist Acetylcholin Parasympathomimetika
Muskarin-Agonist Betelnuss, Muskarin
Nicotin-Agonist Cytisin(Gemeiner Goldregen), Nicotin(Tabak)
Acetylcholin-Antagonist
Anticholinergika
Diphenhydramin Parasympatholytika, Delirantia, Antiemetika
Muskarin-Antagonist Atropin, Hyoscyamin(Halluzinogene Nachtschattengewächse: Alraune, Bilsenkraut, Engelstrompete, Stechapfel, Tollkirsche, Schwarze Tollkirsche, Tollkraut), Piturin, Scopolamin, Tropicamid
Nicotin-Antagonist Curare
Cholinesterasehemmer Donepezil, Galantamin, Physostigmin, Rivastigmin, Tacrin, Thebain Antidementiva

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