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Delirante Nachtschattengewächse sind Pflanzen aus der Familie Solanaceae (Nachtschattengewächse), welche die Alkaloide Hyoscyamin (Atropin) und Scopolamin enthalten. Diese Wirkstoffe sind Anticholinergika und können deshalb als delirante Halluzinogene wirken, bei Überdosierung aber auch als tödliches Gift.

Die deliranten Nachtschattengewächse sind wegen ihrer unberechenbaren, nebenwirkungsreichen und potentiell gefährlichen Wirkung bei Drogenkonsumenten eher unbeliebt. Sie werden aber von vielen probiert, da sie leicht und legal verfügbar sind.

Unscharf werden sie oft einfach als Nachtschattengewächse (kurz NSG) bezeichnet, dabei machen sie nur einen kleinen Teil dieser Pflanzenfamilie aus, welche auch Kartoffeln, Tomaten und Tabak enthält. Sie gelten als klassische Hexendrogen.

VertreterBearbeiten

ListeBearbeiten

Quelle u.a.: Giftpflanzen.com

GallerieBearbeiten

Gallerie
Atropa belladonna (Schwarze Tollkirsche)
Illustration Atropa bella-donna0 cleanAtropa belladonna Beere
Hyoscyamus (Bilsenkraut)
Hyoscyamus niger - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-073Hyoscyamus niger2 W
Mandragora (Alraune)
Alraune-Kreta
Brugmansia (Engelstrompete)
800px-Brugmansia aurea Stock
Datura (Stechapfel)
Datura stramonium 2000
Scopolia carniolica (Krainer Tollkraut)
Scopolia carniolica0

WirkungBearbeiten

In der Medizin wird eine Vergiftung mit Anticholinergika als Anticholinerges Syndrom bezeichnet.

Der Rausch ist reich an körperlichen Nebenwirkungen, die in der Regel schon bei deutlich geringeren Dosierungen als die halluzinogene Wirkung auftreten und auch lange nach dieser bestehen. Der halluzinogene Rausch kann Stunden bis Tage anhalten und ist von starken echten Halluzinationen geprägt. Im Nachhinein treten oft Gedächtnislücken auf.

physischBearbeiten

Die körperliche Wirkung ergibt sich vor allem aus der Hemmung des Parasympathikus, einem Teil des peripheren Nervensystems (Parasympatholytikum).

Geringe Dosierungen wirken gegen Übelkeit(Antiemetisch), weshalb der Wirkstoff Scopolamin etwa als Arzneimittel gegen die Reisekrankheit(Kinetose) verwendet wird. Der Speichelfluss ist reduziert, woraus sich Mundtrockenheit ergibt. In hohen Dosierungen kann es in seltenen Fällen allerdings auch zu Erbrechen kommen. Schwierigkeiten beim Schlucken können auftreten.

Die Schweißproduktion wird vermindert, was zu einer Erwärmung des Körpers führen kann ("Fieber", Hyperthermie). Feuchte Tücher können hierbei lindernd sein. Es kann zu Haut- und Gesichtsrötung kommen. Zusammen ergibt sich also das Bild von warmer, trockener, geröteter Haut.

Die Pupillen werden erweitert (Mydriasis), weshalb man empfindlich auf helles Licht reagieren kann. Es kommt zu Akkomodationsstörungen der Augen, welche zu Weitsichtigkeit führen und etwa das Lesen erschweren.

Die glatte Muskulatur wird entspannt, was krampflösend wirkt, durch die erregende Wirkung können allerdings auch Krampfanfälle ausgelöst werden. Das Koordinations- und Sprach-Vermögen kann gestört sein und es kann zu Muskelzuckungen (Myoklonie) kommen. Bronchien werden geweitet und die Atmung wird beschleunigt.

Der Herzschlag wird beschleunigt und es kann Herzrythmusstörungen, wie Herzrasen (Tachykardie) und arythmischen Herzschlägen (Extrasystolen) kommen. Der Blutdruck wird erhöht. Wegen der anregenden Wirkung auf das Herz wird Atropin zur Behandlung von niedriger Herzfrequenz (Bradykardie) in der Anästesie eingesetzt und wurde auch zeitweise mit umstrittener Wirksamkeit in der Notfallmedizin bei Herzstillstand verwendet. In sehr geringen Dosierungen kann es paradoxer Weise zu Bradykardie kommen.

Auch Harnverhalt wird z.T. als Wirkung beschrieben, was bei gefüllter Blase äußerst unangenehm sein kann.

Bei einer Überdosis kann der Tod durch Atemlähmung eintreten. Insbesondere bei Herzproblemen kann es auch zu einem Herzstillstand kommen.

psychischBearbeiten

Die zentralnervösen Wirkungen treten eher bei höheren Dosierungen auf.

In geringen Dosierungen überwiegen meist stimulierende Wirkungen. Träume sollen intensiviert sein.[1]

Es kann zu starken Erregungszuständen kommen, welche von Euphorie, z.T. mit heftigen Lachanfällen, Rede- und Bewegungs-Drang bis hin zu Weinkrämpfen, Aggression, Raserei und Wutausbrüchen reichen können ("Tollheit"). Gleichzeitig kann es zu Unruhe, Verwirrung, Schwindel, Koordinations- und Sprachstörungen kommen.

Im weiteren kann es zu echten Halluzinationen kommen, welche für den Konsumenten oft nicht von der Realität zu unterscheiden sind und ein Konsument kann vergessen überhaupt unter dem Einfluss einer Droge zu stehen. Er kann sich so etwa Bewegungen, Gegenstände und Geräusche einbilden, Gespräche mit nicht-vorhandenen Personen führen, glauben nackt zu sein, wenn er angezogen ist, und anderen Sinnestäuschungen unterliegen. Die Intensität der Halluzinationen kann im Rausch schwanken. Ein Berauschter kann sich etwa plötzlich bewusst werden, dass er unter dem Einfluss einer Droge steht, woraufhin die Halluzinationen verschwinden und er seine Umwelt klarer wahrnimmt, danach aber wieder in neue Halluzinationen abdriften.

Ein solcher deliranter Rausch wird manchmal mit dem Zustand des Schlafwandelns verglichen und aus ihm können leicht gefährliche Situationen entstehen.

Menschen können in diesem Rausch sehr leicht beeinflussbar sein, weshalb Scopolamin zeitweise von der CIA als Wahrheitsserum genutzt wurden. Für einen Tripsitter bedeutet dies, dass herunterreden bei einem sich abzeichnenden Horrortrip sehr hilfreich sein kann.

Bei einem halluzinogenen Rausch kommt es häufig zu Gedächtnis-Störungen und -Lücken (Filmriss).

Kommt es in der somnolenten Verlaufsform zu starker Schläfrigkeit und einer komatösen Bewusstlosigkeit, kann eine lebensgefährliche Atemdepression drohen.


WirkstoffeBearbeiten

Hauptwirkstoffe der deliranten Nachtschattengewächse ist (S)-Hyoscyamin, welches meist in geringeren Mengen von (S)-Scopolamin begleitet wird. Atropin ist eine 1:1-Mischung von (S)-Hyoscyamin und (R)-Hyoscyamin ist, welches eine lange Geschichte als Medikament hat.

Scopolamin soll etwas leichter durch die Blut-Hirn-Schranke gelangen, weshalb seine Wirkungen auf das Zentralnervensystem stärker sein soll als die von Hyoscyamin. Es soll also auch eher Halluzinationen erzeugen. Es wird auch behauptet, dass Scopolamin eher dämpfend und Hyoscyamin eher erregend, wirke. Das Hyoscyamin-Scopolamin-Verhältnis in den einzelnen Pflanzen und Pflanzenteilen schwankt stark. Je nach Quelle sollen besonders Bilsenkraut- oder Datura-Blätter ein günstigeres Hyoscyamin zu Scopolamin Verhältnis haben, Belladonna-Blätter hingegen sollen relativ Scopolamin-arm sein.

Hauptwirkstoffe
Hyoscyamin Scopolamin
L- bzw. (S)-Form L-Hyoscyamin L-Scopolamin
D- bzw, (R)-Form D-Hyoscyamin D-Scopolamin
Häufig begleitende Wirkstoffe
Apoatropin Belladonnin Scopoletin Scopolin
Apoatropine Belladonnin Scopoletin Scopolin

Wirkstoffgehalt in PflanzenBearbeiten

Wirkstoffgehalt
Gattung Art Trivialname Pflanzenteil Alkaloide in % Hyoscyamin in % Scopolamin in % weitere Inhaltstoffe
min max min max min max
Atropa belladonna Tollkirsche, Schwarze Gesamt[2] 0,1 0,4 1,2 0,28+[3] 0,04[4] Apoatropin, Belladonnin, Nicotin, Scopolin
Blätter (Knospung)[5] 0,45
Blätter (Beginn der Blütezeit)[6] 0,47
Blätter (Fruchtreife)[7] 0,36
obere Stengel (Knospung)[8] 0,35
obere Stengel (Beginn der Blütezeit)[9] 0,45
obere Stengel (Fruchtreife)[10] 0,27
untere Stengel (Knospung)[11] 0,19
untere Stengel (Beginn der Blütezeit)[12] 0,20
untere Stengel (Fruchtreife)[13] 0,09
Blüten[14] 0,4
Früchte[15] 0,65
Samen[16] 0,8
acuminata Tollkirsche, Indische Gesamt[17] 0,45


DosierungBearbeiten

Eine sichere Dosierung ist kaum möglich, da der Wirkstoffgehalt in den Pflanzen stark schwankt, weshalb es auch leicht zu tödlichen Vergiftungen kommen kann.

Eine halluzinogene Wirkdosis von Atropin liegt etwa bei 10 mg, eine tödliche Dosis etwa bei 100 mg. Beim Scopolamin-Racemat wird von den gleichen Dosis-Verhältnissen ausgegangen.

Atropin ist ein 1:1-Gemisch (Racemat) aus (S)-Hyoscyamin und (R)-Hyoscyamin, wobei das (S)-Hyoscyamin die anticholinerg wirksame Komponente darstellt, d.h. (S)-Hyoscyamin ist vermutlich doppelt so wirksam wie Atropin. In frischen Pflanzen ist meist nur (S)-Hyoscyamin enthalten, welches sich entweder mit der Zeit oder bei bestimmten Extrationsverfahren in Atropin umwandelt.


ReferenzenBearbeiten

  1. http://www.land-der-traeume.de/langzeit_lesen.php?id=732
  2. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  3. 70% des Gesamtalkaloidgehalts, Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  4. 1/10 des Gesamtalkaloidgehalts, Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  5. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  6. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  7. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  8. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  9. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  10. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  11. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  12. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  13. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  14. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  15. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  16. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  17. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f

siehe auchBearbeiten

Links Bearbeiten

Verwandte DrogenBearbeiten

Delirantia
Vertreter
Biogen Pflanzen Hyoscyamin & Scopolamin Delirante Nachtschattengewächse
Atropa, Atropa acuminata, Atropa belladonna, Atropa caucasia, Atropanthe sinensis, Brugmansia, Brugmansia arborea, Brugmansia aurea, Brugmansia candida, Brugmansia sanguinea, Brugmansia suaveolens, Brugmansia versicolor, Datura, Datura ceratocaula, Datura inoxia, Datura metel, Datura stramonium, Duboisia, Duboisia myoporoides, Duboisia leichhardtii, Hyoscyamus, Hyoscyamus albus, Hyoscyamus aureus, Hyoscyamus muticus, Hyoscyamus niger, Latua pubiflora, Mandragora, Mandragora autumnalis, Mandragora officinarum, Physochlaina orientalis, Scopolia, Scopolia anomala, Scopolia carniolica, Scopolia japonica, Scopolia tangutica, Solandra maxima
Myristicin
Elemicin
Safrol
Myristica fragrans
Pilze Muscimol
Ibotensäure
Amanita muscaria, Amanita pantherina, Amanita regalis
Zubereitung Hexensalbe, Piturin
Wirkstoffe Elemicin, Ibotensäure, Muscimol, Myristicin, Safrol
Anticholinergika Atropin, Diphenhydramin, Hyoscyamin, Scopolamin, Tropicamid
Wissen und Kultur
Wirkung Delirium, echte Halluzinationen, parasympatholytisch, Tachykardie, Mydriasis, Verwirrung, Sprachstörungen, Ataxie, Mattigkeit, Gleichgewichtstörungen
Risiken Horrortrip, Kontrollverlust, Herzstillstand
Safer Use Tripsitter, SaferUse
Hexendroge, Pilzatropin
Cholinergika
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Acetylcholin-Agonist Acetylcholin Parasympathomimetika
Muskarin-Agonist Betelnuss, Muskarin
Nicotin-Agonist Cytisin(Gemeiner Goldregen), Nicotin(Tabak)
Acetylcholin-Antagonist
Anticholinergika
Coniin (Gefleckter Schierling), Diphenhydramin Parasympatholytika, Delirantia, Antiemetika, Neurotoxine
Muskarin-Antagonist Atropin, Hyoscyamin(Delirante Nachtschattengewächse: Alraune, Bilsenkraut, Engelstrompete, Stechapfel, Tollkirsche, Schwarze Tollkirsche, Tollkraut), Piturin, Scopolamin, Tropicamid
Nicotin-Antagonist Strychnin (Curare, Ignatius-Brechnuss, Gewöhnliche Brechnuss), Tubocurarin, Toxiferin
Cholinesterasehemmer Donepezil, Galantamin, Linarin (Echter Baldrian), Physostigmin, Rivastigmin, Tacrin, Thebain Antidementiva

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