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In der Pflanzen-Familie Solanaceae (Nachtschattengewächse) gibt einige Vertreter, welche als delirante Halluzinogene wirken. Sie enthalten die Alkaloide Scopolamin und Hyoscyamin (Atropin), welche als Anticholinergika wirken.

Sie sind wegen ihrer unberechenbaren Wirkung bei Drogenkonsumenten eher unbeliebt, werden aber von vielen probiert, da sie leicht und legal verfügbar sind.

VertreterBearbeiten

Quelle u.a.: Giftpflanzen.com

nicht-anticholinerge Vertreter Anmerkung: Die Beschreibung der Wirkung bezieht sich nur auf die anticholinergen Vertreter

WirkstoffeBearbeiten

Hauptwirkstoffe der meisten halluzinogenen Nachtschattengewächse ist (S)-Hyoscyamin, welches in geringen Mengen von (S)-Scopolamin begleitet wird. In einigen Datura-Arten kann der Scopolamin-Anteil überwiegen.

Atropin ist eine 1:1-Mischung von L-Hyoscyamin und R-Hyoscyamin ist, welches eine lange Geschichte als Medikament hat.

Hauptwirkstoffe
Hyoscyamin Scopolamin
L- bzw. (S)-Form L-Hyoscyamin L-Scopolamin
D- bzw, (R)-Form D-Hyoscyamin D-Scopolamin
Häufig begleitende Wirkstoffe
Apoatropin Belladonnin Scopoletin Scopolin
Apoatropine Belladonnin Scopoletin Scopolin

Wirkstoffgehalt in PflanzenBearbeiten

Wirkstoffgehalt
Gattung Art Trivialname Pflanzenteil Alkaloide in % Hyoscyamin in % Scopolamin in % weitere Inhaltstoffe
min max min max min max
Atropa belladonna Tollkirsche, Schwarze Gesamt[1] 0,1 0,4 1,2 0,28+[2] 0,04[3] Apoatropin, Belladonnin, Nicotin, Scopolin
Blätter (Knospung)[4] 0,45
Blätter (Beginn der Blütezeit)[5] 0,47
Blätter (Fruchtreife)[6] 0,36
obere Stengel (Knospung)[7] 0,35
obere Stengel (Beginn der Blütezeit)[8] 0,45
obere Stengel (Fruchtreife)[9] 0,27
untere Stengel (Knospung)[10] 0,19
untere Stengel (Beginn der Blütezeit)[11] 0,20
untere Stengel (Fruchtreife)[12] 0,09
Blüten[13] 0,4
Früchte[14] 0,65
Samen[15] 0,8
acuminata Tollkirsche, Indische Gesamt[16] 0,45

WirkungBearbeiten

zu ergänzen

In der Medizin wird eine Vergiftung mit Anticholinergika als Anticholinerges Syndrom bezeichnet.

Der Rausch ist reich an körperlichen Nebenwirkungen, die in der Regel schon bei deutlich geringeren Dosierungen als die halluzinogene Wirkung auftreten und auch lange nach dieser bestehen. Der halluzinogene Rausch kann Stunden bis Tage anhalten und ist von starken echten Halluzinationen geprägt. Im Nachhinein treten oft Gedächtnislücken auf.

physischBearbeiten

Die körperliche Wirkung ergibt sich vor allem aus der Hemmung des Parasympathikus, einem Teil des peripheren Nervensystems (Parasympatholytikum).

Geringe Dosierungen wirken gegen Übelkeit(Antiemetisch), weshalb der Wirkstoff Scopolamin etwa als Arzneimittel gegen die Reisekrankheit(Kinetose) verwendet wird. Der Speichelfluss ist reduziert, woraus sich Mundtrockenheit ergibt. In hohen Dosierungen kann es in seltenen Fällen allerdings auch zu Erbrechen kommen.

Die Pupillen werden erweitert (Mydriasis), weshalb man empfindlich auf helles Licht reagieren kann. Es kommt zu Akkomodationsstörungen der Augen, welche zu Weitsichtigkeit führen und etwa das Lesen erschweren.

Die glatte Muskulatur wird entspannt, was krampflösend wirkt, durch die erregende Wirkung können allerdings auch Krampfanfälle ausgelöst werden. Das Koordinations- und Sprach-Vermögen kann gestört sein und es kann zu Muskelzuckungen (Myoklonie) kommen. Bronchien werden geweitet und die Atmung wird beschleunigt.

Der Herzschlag wird beschleunigt und es kann Herzrythmusstörungen, wie Herzrasen (Tachykardie) und arythmischen Herzschlägen (Extrasystolen) kommen. Der Blutdruck wird erhöht. Wegen der anregenden Wirkung auf das Herz wird Atropin zur Behandlung von niedriger Herzfrequenz (Bradykardie) in der Anästesie eingesetzt und wurde auch zeitweise mit umstrittener Wirksamkeit in der Notfallmedizin bei Herzstillstand verwendet. In sehr geringen Dosierungen kann es paradoxer Weise zu Bradykardie kommen.

Es kann zur Erwärmung des Körpers kommen ("Fieber", Hyperthermie), teilweise mit verminderter Schweißproduktion. Feuchte Tücher können hierbei lindernd sein. Es kann zu Haut- und Gesichtsrötung kommen. Zusammen ergibt sich also das Bild von warmer, trockener, geröteter Haut.

Auch Harnverhalt wird z.T. als Wirkung beschrieben, was bei gefüllter Blase äußerst unangenehm sein kann.

Bei einer Überdosis kann der Tod durch Atemlähmung eintreten. Bei Herzproblemen kann es auch zu einem Herzstillstand kommen.

psychischBearbeiten

Die zentralnervösen Wirkungen treten eher bei höheren Dosierungen auf.

In geringen Dosierungen überwiegen meist stimulierende Wirkungen. Träume sollen intensiviert sein.[17]

Es kann zu starken Erregungszuständen kommen, welche von Euphorie, z.T. mit heftigen Lachanfällen, Rede- und Bewegungs-Drang bis hin zu Weinkrämpfen, Aggression, Raserei und Wutausbrüchen reichen können ("Tollheit"). Gleichzeitig kann es zu Unruhe, Verwirrung, Schwindel, Koordinations- und Sprachstörungen kommen.

Im weiteren kann es zu echten Halluzinationen kommen, welche für den Konsumenten oft nicht von der Realität zu unterscheiden sind und ein Konsument kann vergessen überhaupt unter dem Einfluss einer Droge zu stehen. Er kann sich so etwa Bewegungen, Gegenstände und Geräusche einbilden, Gespräche mit nicht-vorhandenen Personen führen, glauben nackt zu sein, wenn er angezogen ist, und anderen Sinnestäuschungen unterliegen. Ein solcher deliranter Rausch wird manchmal mit dem Zustand des Schlafwandelns verglichen und aus ihm können leicht gefährliche Situationen entstehen. Menschen können in diesem Rausch sehr leicht beeinflussbar sein, weshalb Belladonna-Zubereitungen im Mittelalter und Scopolamin zeitweise von der CIA als Wahrheitsserum genutzt wurden. Für einen Tripsitter bedeutet dies, dass herunterreden bei einem sich abzeichnenden Horrortrip sehr hilfreich sein kann.

Es kann zu Gedächtnislücken kommen (Filmriss).

Kommt es in der somnolenten Verlaufsform zu starker Schläfrigkeit und einer komatösen Bewusstlosigkeit, kann eine lebensgefährliche Atemdepression drohen.

DosierungBearbeiten

Eine sichere Dosierung ist kaum möglich, da der Wirkstoffgehalt in den Pflanzen stark schwankt, weshalb es auch leicht zu tödlichen Vergiftungen kommen kann.

Eine halluzinogene Wirkdosis von Atropin liegt etwa bei 10 mg. Eine tödliche Dosis etwa bei 100 mg.

Atropin ist ein 1:1-Gemisch (Racemat) aus (S)-Hyoscyamin und (R)-Hyoscyamin, wobei das (S)-Hyoscyamin die anticholinerg wirksame Komponente darstellt, d.h. (S)-Hyoscyamin ist doppelt so wirksam wie Atropin. In frischen Pflanzen ist am Anfang nur (S)-Hyoscyamin enthalten, welches sich entweder mit der Zeit oder bei bestimmten Extrationsverfahren in Atropin umwandelt.

ReferenzenBearbeiten

  1. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  2. 70% des Gesamtalkaloidgehalts, Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  3. 1/10 des Gesamtalkaloidgehalts, Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  4. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  5. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  6. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  7. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  8. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  9. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  10. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  11. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  12. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  13. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  14. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  15. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  16. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Band III, 1972, ISBN 3540051228, S. 311f
  17. http://www.land-der-traeume.de/langzeit_lesen.php?id=732

siehe auchBearbeiten

Links Bearbeiten

Verwandte DrogenBearbeiten

Delirantia
Vertreter
Biogen Pflanzen Hyoscyamin & Scopolamin Halluzinogene Nachtschattengewächse
Atropa, Atropa acuminata, Atropa belladonna, Atropa caucasia, Atropanthe sinensis, Brugmansia, Brugmansia arborea, Brugmansia aurea, Brugmansia candida, Brugmansia sanguinea, Brugmansia suaveolens, Brugmansia versicolor, Datura, Datura ceratocaula, Datura inoxia, Datura metel, Datura stramonium, Duboisia, Duboisia myoporoides, Duboisia leichhardtii, Hyoscyamus, Hyoscyamus albus, Hyoscyamus aureus, Hyoscyamus muticus, Hyoscyamus niger, Latua pubiflora, Mandragora, Mandragora autumnalis, Mandragora officinarum, Physochlaina orientalis, Scopolia, Scopolia anomala, Scopolia carniolica, Scopolia japonica, Scopolia tangutica, Solandra maxima
Myristicin
Elemicin
Safrol
Myristica fragrans
Pilze Muscimol
Ibotensäure
Amanita muscaria, Amanita pantherina, Amanita regalis
Zubereitung Hexensalbe, Piturin
Wirkstoffe Elemicin, Ibotensäure, Muscimol, Myristicin, Safrol
Anticholinergika Atropin, Diphenhydramin, Hyoscyamin, Scopolamin, Tropicamid
Wissen und Kultur
Wirkung Delirium, echte Halluzinationen, parasympatholytisch, Tachykardie, Mydriasis, Verwirrung, Sprachstörungen, Ataxie, Mattigkeit, Gleichgewichtstörungen
Risiken Horrortrip, Kontrollverlust, Herzstillstand
Safer Use Tripsitter, SaferUse
Hexendroge, Pilzatropin
Cholinergika
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Acetylcholin-Agonist Acetylcholin Parasympathomimetika
Muskarin-Agonist Betelnuss, Muskarin
Nicotin-Agonist Cytisin(Gemeiner Goldregen), Nicotin(Tabak)
Acetylcholin-Antagonist
Anticholinergika
Coniin (Gefleckter Schierling), Diphenhydramin Parasympatholytika, Delirantia, Antiemetika, Neurotoxine
Muskarin-Antagonist Atropin, Hyoscyamin(Halluzinogene Nachtschattengewächse: Alraune, Bilsenkraut, Engelstrompete, Stechapfel, Tollkirsche, Schwarze Tollkirsche, Tollkraut), Piturin, Scopolamin, Tropicamid
Nicotin-Antagonist Strychnin (Curare, Ignatius-Brechnuss, Gewöhnliche Brechnuss), Tubocurarin, Toxiferin
Cholinesterasehemmer Donepezil, Galantamin, Linarin (Echter Baldrian), Physostigmin, Rivastigmin, Tacrin, Thebain Antidementiva

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