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Kratomtree

Kratom

Kratom (Mitragyna speciosa) ist eine aus Südostasien stammende Baumart, deren Laubblätter die µ-opioiden Wirkstoffe Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin enthalten. Sie entfalten dadurch eine analgetische, euphorisierende, sedierende und abhängigkeitserzeugende[1][2] Wirkung und werden als Droge, Entwöhnungsmittel und volkstümliches Arzneimittel gebraucht.

In westlichen Ländern ist der Umgang mit Kratom oft unreguliert, wodurch es sich heute einer gewissen Beliebtheit als natürliches, opioides Legal High erfreut, allerdings werden in betrügerischer Absicht auch oft Placebos und Verfälschungen verkauft. In seinen Ursprungsländern Thailand, Myanmar und Malaysia wurde Kratom insbesondere um die Wende zum 20. Jahrhundert als billiges Opium-Substitutionsmittel verwendet, dort ist Kratom heute illegal. Indonesien hingegen ist heute eines der größten Exportländer für Kratom.

Volkstümliche Bezeichnungen für Kratom sind auch Biak, Gra-tom, Biak-Biak, Katawn, Krton, Mabog, Mambog oder Mitragyne.

Konsum Bearbeiten

Darreichungsform Bearbeiten

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Getrocknete Kratomblätter

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SortenBearbeiten

Kratom-Bäume und -Pulver existieren in einer Vielzahl von Sorten. Systematische Untersuchungen zur unterschiedlichen Wirksamkeit und Wirkstoffgehalt stehen bislang aus, ebenso fehlen Standards und Qualitätskontrollen für Händler. Zum Teil wird vermutet das Händler oft Sorten erfinden würden um sich gegenüber anderen Händlern hervortun zu können.

Alle Angaben zu den Sorten sind entsprechend mit Vorsicht zu genießen und Beschreibungen der Wirksamkeit sind oft sehr subjektiv.

BlattvenenBearbeiten

Ein häufiges Differenzierungsmerkmal zwischen unterschiedlichen Kratomsorten ist die Färbung der Blattvenen.

  • Weiße Venen (White Vein): gelten in ihrer Wirkung als eher stimulierend, entsprechend geeignet zur Steigerung von Aufmerksamkeit, Wachheit und Motivation.
  • Grüne Venen (Green Vein): gelten als Mittelmaß zwischen stimulierender und sedierender Wirkung.
  • Rote Venen (Red Vein): gelten in ihrer Wirkung als eher sedierend, entsprechend geeignet zur Unterstützung des Einschlafens oder als Schmerzmittel.

Die Varianz der Wirksamkeit innerhalb einer Venen-Farbe soll allerdings groß sein und sich mit den anderen Überlappen. Zum Teil wird auch gelbes Kratom (Yellow, Golden) verkauft, wobei unklar ist ob es sich auf die Farbe der Venen oder allgemein um durch absterben bzw. Fermentation gelb verfärbte Blätter handelt.

In Kratompulvern sind die Blattvenen oft nicht enthalten, was die Identifizierung durch den Kunden erschwert.

HerkunftBearbeiten

Eine weitere Sorten-Einteilung geschieht nach Herkunft, wobei allerdings unklar ist ob hier Herkunft der Baumsorte oder Anbaugebiet gemeint ist. Länder in denen der Anbau und Handel illegal ist (Thailand, Malaysia, Myanmar/Burma) erscheinen als Herkunftsbezeichnung eher dubios, ebenso wie Länder in denen Kratom nicht natürlich vorkommt (USA).

Typische Herkunftsbezeichnungen sind:

  • Indo (Indonesien)
    • Borneo
    • Sumatra
    • Bali: gilt als eher sedierend
  • Thai (Thailand)
  • Malay, Malaysian (Malaysia)
  • Philipinen
    • Mindanao
  • Papua (Papua-Neuguinea)
QualitätsstufenBearbeiten

Kratom wird oft in verschiedenen Qualitätsstufen verkauft, welche allerdings von Händler zu Händler variieren können. Je höher der Preis, desto potentere Wirksamkeit wird meist versprochen. Qualitativeres Kratom soll etwa auch feiner gemahlen sein und weniger Pflanzenäste und sonstige Verunreinigungen beinhalten. Typische Qualitätsbezeichnungen sind Super, Superior, Ultra, Premium, Commercial, Standard.

Maeng Da (thailändisch für "Zuhälter"), PIMP (englisch für "Zuhälter") bzw. Pimps Grade wird von Händlern als eine sehr potente Sorte beschrieben, die ursprünglich aus Thailand stamme. Es gilt als eher stimulierend. Allgemein scheint der Begriff so beliebt zu sein, dass er von unterschiedlichen Händlern mit unterschiedlichen Definitionen verwendet wird. Manche Händler sehen in Maeng Da eine Mischung verschiedener Kratomsorten, andere hingegen behaupten Maeng Da sei Kratom von durch Pfropfung (Veredelung) aufgewerteten Kratombäumen und wieder andere sagen Maeng Da seien die Blätter besonders alter oder zu einer speziellen Zeit geernteter Bäume.

Bezeichnungen wie Enhanced ("verbessert") deuten auf eine gezielte Veränderung der chemischen Zusammensetzung hin, etwa durch Anreicherung von Pulvern mit Extrakten.

ZubereitungenBearbeiten

In den Ursprungsländern werden die Laubblätter des Kratombaums in der Regel frisch gekaut.

Zur Haltbarmachung werden diese Blätter getrocknet und zum weiteren Konsum oft zerkleinert (Crushed) oder zu einem Pulver zermahlen (Powdered). Beim direkten Erwerb von Kratom-Pulver ergibt sich natürlich das Problem, dass man die ursprüngliche biologische Substanz nicht erkennen kann, wodurch es etwa durch Untermischung anderer Pflanzen-Pulver leichter zu verfälschen ist.

Zur weiteren Konzentrierung des Wirkstoffes können Extrakte hergestellt werden. In der Regel gibt es keine näheren Angaben zum zur Extraktion verwendeten Lösungmittel oder der letztendlichen Wirkstoffkonzentration. Häufig soll Kratom einfach mit heißem Wasser ausgekocht werden.

Als Full Spectrum (FS) werden meist flüssige Lösungen angeboten, wobei die Bezeichnung nicht auf Kratom beschränkt ist. Tinkturen sind dabei Lösungen in Ethanol.

Kratom wird auch in verschiedenen Legal High-Produkten verkauft, etwa in Havenly-E von Happy Caps. Bei dem als Kratom verkauften Legal High Krypton wurde gezeigt, dass es neben Kratom auch das mit Tramadol verwandte Opioid O-desmethyltramadol enthielt[3], weshalb es in Norwegen zu mehreren Todesfällen wegen Überdosierung kam. Bei in den frühen 2000ern als "Kratomacetat" und "Mitragyninacetat" bezeichneten Produkten wurde gezeigt, dass es sich um Kratom-freie Placebos handelte.

Applikationsweg Bearbeiten

oralBearbeiten

Kratom pills

Kratom in Kapseln abgefüllt

Traditionell wird Kratom in der Regel zerkaut und somit oral konsumiert. Aufgrund der Tatsache, dass Kratom einen bitteren Geschmack hat, mischen viele Konsumenten die getrockneten Pflanzenteile z.B. in einen Joghurt. Aus Kratomblättern kann auch ein Tee hergestellt werden, allerdings sollte dabei viel Zucker verwendet werden um den bitteren Geschmack zu überdecken.

Eine weitere Möglichkeit ist auch das Auffüllen von Kapseln mit Kratom, dadurch wird der bittere Geschmack sehr gut vermieden. Es kann auch Kratompulver mit Milch und Kakao vermischt werden und getrunken werden. Der Vorteil hierbei ist eine komplette Wirkstoffaufnahme.

InhalationBearbeiten

Kratom kann auch geraucht oder vaporisiert werden, aufgrund der geringen Wirkung und der großen benötigten Menge eignet sich wenn dann eher das dampfen mit einem Vaporizer. Die Wirkung kann zwar nicht mit oralem Konsum mithalten, ist aber durchaus zu spüren. Es benötigt eine Temperatur von 175°C-200°C.

Dosierung Bearbeiten

WirkstoffeBearbeiten

Mitragynine

Mitragynin

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7-Hydroxymitragynin

Als Hauptwirkstoffe gelten das Hauptalkaloid Mitragynin, mit einem Anteil von etwa 0,25 % am Pflanzenmaterial, und 7-Hydroxymitragynin (7-HMG). Mitragynin macht etwa 60% der Pflanzenalkaloide aus, 7-HMG nur etwa 2%. 7-HMG weißt aber eine deutlich höhere analgetische Potenz als Mitragynin auf (17 zu 0,6), weshalb es wohl einen wesentlichen Anteil zur Wirksamkeit von Kratom beiträgt.

Es scheint entsprechend möglich, dass sich die Wirksamkeit von Kratom durch Zucht von besonders 7-HMG reicher Sorten deutlich steigern lässt.

Bei Versuchen mit halbsynthetischen Mitragynin-Derivaten ließen sich weitere hochpotente Opioide finden. Mitragynin könnte so in Zukunft auch als Ausgangsstoff für die halbsynthetische Herstellung von stärkeren Opioiden dienen, vergleichbar mit der Rolle von Morphin aus Schlafmohn bei der Herstellung von Heroin.


EmpfehlungenBearbeiten

Achtung: Diese Tabelle soll nur einen groben Einblick in die Dosierung geben. Denn jede Person ist unterschiedlich, verträgt den Wirkstoff unterschiedlich und die Kratomblätter haben auch unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen!

Kratomsorte (Getrocknete Blätter) Bemerkbare schwache Wirkung Lowdose Mittlere Wirkung Starke Wirkung
Kratom Premium Commercial 2,0g - 4,0g 3,0g - 5,0g 5,0g - 10,0g 8,0g - 15,0g
Kratom Super (Häufig "Thai-Kratom") 1,0g - 2,0g 2,0g - 4,0g 3,0g - 5,0g 4,0g - 8,0g
Kratom Extract 1,0g 1,0g - 2,0g 2,0g - 3,0g 3,0g - 6,0g

Wirkung Bearbeiten

Physiologische Wirkung Bearbeiten

Das Wirkspektrum von Kratom entspricht im wesentlichem dem von schwachen Opioiden.

Generell wirkt Kratom sedierend und entspannend, allerdings ist die aufputschende Wirkung besonders in den geringen Dosen stark spürbar und die sedierende Komponente rückt in den Hintergrund.

Da Kratom an den Opioidrezeptoren wirkt, können schmerzstillende Effekte die Folge sein. In höheren Dosen betäubt Kratom regelrecht den Körper und kann daher auch stärkere Schmerzen unterdrücken.

Die Besonderheit der Wirkung zeigt sich in verschiedenen Situationen, wenn einerseits der Konsument sitzt oder liegt, spürt dieser eine starke entspannende Wirkung, wobei andererseits Aufgaben erledigt werden müssen oder Bewegungsdrang empfunden wird, fühlt dieser sich stark stimuliert. Des weiteren kann eine dosisabhängige Euphorie gespürt werden, in Folge dessen gerade in hohen Dosen starke euphorische Stimmungslagen möglich sind. Manche Konsumenten spüren auch aphrodisierende Wirkungen. Tagträumereien ist eine weitere Begleiterscheinung der betäubenden Wirkung.

Set und Setting Bearbeiten

In der Szene haben sich die Begriffe Set & Setting etabliert. Mit Set ist die psychische Verfassung des Konsumenten gemeint und mit Setting die jeweilige Umgebung, in der der Konsument seine Drogenerfahrung erleben will. In der Regel werden alle Drogen durch diese Faktoren beeinflusst. Die Beachtung von Set und Setting ist bei Kratom zwar nicht so wichtig, wie bei Halluzinogenen, allerdings kann dadurch die Drogenerfahrung angenehmer gestaltet, sowie Gefahren gemindert werden.

Set Bearbeiten

Der Konsument sollte vor dem Konsum eine positive Grundstimmung haben, sich wohl fühlen und keine Probleme haben, die ihn belasten. Zwar löst Kratom auch bei schlechter Laune eine warme Euphorie aus und verbessert die eigene Stimmung, allerdings könnte Kratom als Stimmungsaufheber oder Fluchtort missbraucht werden und dadurch besteht die Wahrscheinlichkeit einer Abhängigkeit. Demnach sollten niemals Drogen konsumiert werden, um Probleme zu verarbeiten oder eine schlechte Stimmung angenehmer zu machen. Der Konsument kann einige Vorkehrungen treffen, um eine gute psychische Grundstimmung zu gewähren.

Der Konsum sollte aus eigener Absicht stattfinden und nicht aus Gruppenzwang. Außerdem befindet sich der Konsument nicht so stark in seinem Innenleben. Vor dem Konsum sollten dem Konsumenten die wichtigsten Informationen über Kratom und dem Konsum geläufig sein um Gefahren abzuwenden oder bei negativen Erfahrungen richtig zu reagieren. Eine gute Vorbereitungsmöglichkeit ist z.B. das Lesen von Tripberichten anderer Konsumenten, oder das Informieren über den bewussten Umgang mit Opioiden.

Setting Bearbeiten

Die Umwelt, in der die Drogenerfahrung erlebt werden soll, beeinflusst die Kratomwirkung zwar nur geringfügig, allerdings kann die Beachtung von einem guten Setting die Erfahrung stark intensiver und angenehmer werden lassen. Auch hier können daher verschiedene Vorbereitungen getroffen werden.

Die richtige Wahl der Musik sollte gewählt werden, die der Konsument am liebsten hört und schöne sowie positive Erfahrungen damit assoziiert. Entspannungsmusik kann die Erfahrung ebenfalls intensiver machen lassen. Auch können Filme durch den Einfluss von Kratom interessanter werden.

Vertraute Menschen können eine Bereicherung darstellen, denn so werden interessante Gespräche möglich und eine gute und enspannte Stimmung ist relativ sicher. Allerdings sollte auch die Umgebung selbst in Ordnung sein, denn in einer dreckigen, muffigen Wohnung fühlen sich nur die wenigsten wohl.

Bestimmte Nahrungsmittel wie Fruchtsäfte, Früchte oder Joghurte können auf Kratom eine Wohltat sein.

Kratom eignet sich für viele Umgebungen wie z.B. für eine Party oder das Entspannen zu Hause, allerdings kann die sedierende Wirkung den Konsumenten stark auf eine Couch zwingen, demnach sollte Kratom am ehesten Zuhause verwendet werden.

Wirkungsdauer Bearbeiten

Die Wirkung tritt schon nach ca. 5 - 15 Minuten, manchmal auch bis zu 45 Minuten ein, und hält je nach der konsumierten Menge 2 bis 6 Stunden an. Die Biologische Halbwertzeit von Mitragynin ist mit etwa einem Tag relativ lang.[4]

Gefahren und NebenwirkungenBearbeiten

Akute Gefahren Bearbeiten

Körperliche Gefahren Bearbeiten

Kratom kann, insbesondere bei hohen Dosen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Hiergegen hilft es oft sich hin zu legen und zu entspannen.

Zusätzlich kann aufgrund des bitteren Geschmacks von Kratom zu Beginn des Rausches Übelkeit auftreten. Diese kann jedoch umgangen werden, indem man das Pulver in Gelatinekapseln füllt. Dadurch kommt es zumindest nicht zu einer Übelkeit aufgrund des Geschmacks.

Es ist möglich, dass die Körpertemperatur ansteigen kann bzw. als wärmer empfunden wird.

Konsumenten unterliegen einer geschönten Wahrnehmung in der Risiken als geringer erscheinen und sie übermütig werden können.

Am nächsten Tag ist es auch möglich, dass der Konsument einen Alkohol ähnlichen Kater bekommt.

Leberschäden Bearbeiten

Es gibt eine Zahl an Berichten, bei denen bereits kurzer Kratomkonsum zu Leberschäden oder sogar akuten Leberversagen geführt hat. Allerdings waren alle Schäden reversibel und niemand starb an deren Folgen. Im Allgemeinen ergaben jedoch Untersuchungen der Blutwerte von zahlreichen Dauerkonsumenten, dass Kratom die Leber nicht schädigt. Man vermutet daher, dass in diesen Fällen entweder das Kratom verunreinigt war oder die Betroffenen eine genetische Disposition hatten, die dafür sorgte, dass ihre Leber die Kratom- Alkaloide nicht richtig abbauen konnte.[5]

Depression Bearbeiten

Nach dem Ausklingen der Wirkung kann eine schwache depressive Grundverstimmung hervor treten. Dabei besteht die Gefahr, dass der Konsument nachlegt um die Depression abzuschwächen und so Abhängigkeitsprozesse zu begünstigen.

Verunreinigungen Bearbeiten

Bei Kratom handelt es sich um kein Produkt das irgendwelchen Qualitätsstandards genügen muss, hieraus ergibt sich das Kratom-Produkte häufig, ähnlich wie illegale Straßendrogen, gestreckt werden oder seltener mit anderen opioiden Drogen versetzt werden. Über mögliche Verunreinigungen mit Insektiziden, Fungiziden oder tropischen Krankheitserregern wird spekuliert, es liegen hierzu aber kaum Hinweise vor.

Das Abkochen von Kratomzubereitungen wird z.T. empfohlen um Krankheitserreger abzutöten.

Letalität Bearbeiten

Es gibt bislang keinen dokumentierten Fall in denen Kratom-Konsum alleine zum Tod eines Menschen geführt hat. Todesfälle in Zusammenhang mit Kratom ereigneten sich meist beim Mischkonsum mit anderen Substanzen bzw. durch aktive Streckmittel wie O-DEST. Aufgrund der opioiden Wirkung besteht die Befürchtung Kratom könne eine Atemdepression oder das Ersticken an Erbrochenen beim Mischkonsum begünstigen.

Langzeitfolgen Bearbeiten

Opioid-Abhängigkeit Bearbeiten

Kratom hat ein für schwache Opioide typisches physischen wie auch psychisches Abhängigkeitspotential. In einer Studie über Konsumenten in Malaysia, welche Kratom über mindesten 6 Monate genutzt hatten, zeigte etwa die Hälfte Probleme mit Abhängigkeit[6].

Entzugserscheinigungen treten in der Regel erst nach einiger Zeit des chronischen Gebrauch auf. Als Symptome eines leichten Abstinenzsyndroms können etwa Depressionen, Müdigkeit, Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit[7] auftreten, bei stärkerer Abhängigkeit auch Muskelkrämpfe, Schmerzen, laufende Nase, tränende Augen, Hitzewallungen, Fieber, Appetitlosigkeit und Durchfall.[8]

Das psychische Abhängigkeitspotential ist u.a. dadurch bedingt, dass die Wirkung alltagstauglich ist: Kratom reduziert Gefühle von Frustration oder Erschöpfung, wodurch die Arbeit und andere Aktivitäten oft leichter fallen. Konsumenten können die stimmungssteigernde Wirkung auch verwenden um Probleme zu verdrängen (Selbstmedikation). Langfristig kann sich das Gefühl entwickeln auch ohne die Droge nicht mehr zu können.

Eine Abhängigkeitsentwicklung wird zum Teil dadurch begünstigt das sich viele Konsumenten des Risikos nicht bewusst sind, da die Droge nicht verboten sei. Hinzu kommt der verbreitete Mythos, der z.T. auch von einigen Händlern gestreut wird, das Kratom gar kein Abhängigkeitspotential besäße.

Es gibt einige Fälle in denen Kratom-Abhängige Konsumenten später zu billigeren und stärkeren Opioiden wie Oxycodon oder Heroin wechselten (Einstiegsdroge), Fälle in denen bei ehemals Opioid-Abhängigen in Unwissenheit über dessen opioide Wirkung Kratomkonsum einen Rückfall in die Abhängigkeit auslöste, ebenso aber auch Berichte von Opioid-Konsumenten die ihre körperliche Abhängigkeit mit Kratom-Substitution erfolgreich ausgeschlichen haben.

Vorbeugende SicherheitsmaßnahmenBearbeiten

Der Konsum und die Wirkung von Kratom ist in der Regel sehr einfach handzuhaben und hat nur wenige Gefahren. Dennoch sollte der Konsument sich bewusst machen, dass er eine addiktive Droge konsumiert.

Nach der Einnahme von Kratom sollte das Führen von Maschinen oder Fahrzeugen unterlassen werden. Die Wahrnehmung und das Denken können verändert sein und daher stellt das Führen von Maschinen oder Fahrzeugen eine Gefahr für den Konsumenten selber und für andere.

Schwangere Frauen sollten lieber auf den Konsum verzichten, da es keine Daten über die möglichen Folgen für das ungeborene Kind gibt. In der Vergangenheit haben sich allerdings die allermeisten Drogen als schädlich für Ungeborene erwiesen.

Die ersten Konsumexperimente sollten mit geringen Dosierungen angefangen werden, da jeder Körper Wirkstoffe unterschiedlich vertragen kann. Zusätzlich sollte der Konsum nicht zur Gewohnheit werden, zwar lässt sich die Droge aufgrund der kontrollierbaren Wirkung gut in den Alltag integrieren, allerdings wird damit die Wahrscheinlichkeit einer Abhängigkeit stark erhöht.

Um die Übelkeit zu verhindern, sollte Kratom auf nüchternen Magen aufgenommen werden. Zudem sollte der nächste Tag als Ausruhtag geplant werden, da ein Alkohol ähnlicher Kater möglich ist.

Kratom einigt sich für viele Umgebungen, wie z.B. auf einer Party oder Zuhause, allerdings kann die sedierende Wirkung den Konsumenten stark schlapp machen und den Konsumenten auf die Couch zwingen, daher sollte Kratom am ehesten Zuhause verwendet werden.

Andere Verwendungen Bearbeiten

Entwöhnungsmittel Bearbeiten

Kratom wird oft als Entwöhnungsmittel von Opioid-Abhängigen verwendet. Als relativ niedrigpotentes Opioid ermöglicht Kratom für die Konsumenten einen Zwischenschritt beim Ausschleichen von stärkeren Opioiden. Für Konsumenten mit Opioid-Toleranz oder -Abhängigkeit hat Kratom meist keine spürbare euphorisierende Wirkung bzw. erst bei relativ großen Mengen, kann aber das Abstinenzsyndrom teilweise aufheben.

Kritisch zu betrachten ist der für nicht standardisierte, biogene Drogen typische schwankende Wirkstoffgehalt der ein gezieltes Ausschleichen erschwert. Ein Konsument kann etwa glauben mit weniger Kratom auszukommen, nur weil er zufällig potenteres Material erhalten hat.

Daten zur Erfolgsrate eines Ausschleichens mit Kratom liegen nicht vor.

Arzneimittel Bearbeiten

Als Arzneimittel wirkt Kratom wie für Opioide typisch gegen Schmerzen, Durchfall und Fieber.

vorgeschobene Verwendungszwecke Bearbeiten

Um eine rechtliche Behandlung von Kratom als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel zu entgehen, werden von Händlern oft falsche Verwendungszwecke beworben (vgl. Badesalz, Räuchermischungen). Kratom ließe sich etwa als Färbemittel für Haare, als Grundlage für Malfarben, als Fußbad und Ähnliches verwenden.

Beschaffung Bearbeiten

Kratom wird durch diverse Onlineshops verkauft und versendet. Hierbei besteht ebenso wie bei in Headshops verkauften Legal Highs das Risiko an Placebos und Verfälschungen zu geraten, weshalb man auf die Reputation des jeweiligen Anbieters achten sollte.

Die Eigen-Aufzucht des Baums gilt als schwierig.

Botanik Bearbeiten

Beschreibung Bearbeiten

Der Baum wird etwa 3 bis 30 m hoch, hat grüne, ovale Blätter und gelbe Blüten.

Inhaltsstoffe Bearbeiten

Kratom enthält viele Alkaloide wie die Hauptwirkstoffe Mitragynin, Mitraphylline und 7-Hydroxymitragynin.[9]

Obwohl 7-Hydroxymitragynin und Mitragynin strukturell mit Yohimbin und anderen Tryptaminen verwandt sind, wirken diese als Agonisten an die µ-Opioidrezeptoren. Die Kratom-Alkaloide binden auch an den κ-Opioidrezeptor und mit schwächerer Affinität an den δ-Opioidrezeptor, wobei sie an beiden als Antagonisten wirken[10]. Weiterhin wurde gezeigt das analgetische Wirkung von Mitragynin wohl auch durch die Wechselwirkungen mit noradrenergen und serotonergen Neurotransmitter-System bedingt ist[11], was auch eine mögliche Ursache für die stimulierenden Wirkungen im geringen Dosis-Bereich ist.

Das ebenfalls in Kratom enthaltene Rhynchophyllin wirkt als NMDA-Antagonist und Calciumkanalblocker.

Weiterhin enthält es zahlreiche Antioxidantien und Polyphenole, welche Gefäßschützend wirken.

Verbreitung Bearbeiten

In Thailand sowie von der nördlichen Malaiischen Halbinsel bis Borneo und Neuguinea findet man den Kratom-Baum. Er wächst in sumpfigen Gebieten.

Vermehrung Bearbeiten

Kratom kann mittels Saatgut oder vegetativ als Steckling vermehrt werden. Bei der Stecklingsvermehrung (Bilder) sollte man sehr stark auf die Luftfeuchtigkeit achten, daher ist ein Gewächshaus unabdingbar. Der Boden des Gewächshauses sollte mit einem Stofftuch (z.B Küchenhandtuch) belegt sein. Dieses sollte mit Wasser getränkt sein zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit.

Es muss darauf geachtet werden, dass die Abdeckung täglich geöffnet wird um Schimmel zu vermeiden. Es ist von Vorteil Aussaaterde zu benutzen und mit z.B einem Bleistift Löcher zu stechen um die etwa 10 - 15 cm langen abgetrennten Pflanzenteile einzupflanzen. Es sollte zum abtrennen des Stecklings eine Rasierklinge zum Einsatz kommen um Quetschungen zu vermeiden.

Geschichte Bearbeiten

Kratom wurde in der Literatur als erstes durch den niederländichen Botaniker Pieter Willem Korthals beschrieben. Traditionell wurde Kratom aufgrund der psychoaktiven Inhaltsstoffen in Thailand und Malaysia als Heilpflanze verwendet, insbesondere gegen Durchfall. Im Gegensatz dazu klassifiziert heute die Rechtslage in diesen Ländern Kratom als verbotene Droge.[9] Im Südosten Asiens werden frische Blätter häufig den ganzen Tag von Arbeitern sowie Handwerkern aufgrund der stimulierende Wirkung gekaut.[9]

Rechtslage Bearbeiten

EuropaBearbeiten

  • Deutschland: Kratom ist nicht im BtMG aufgelistet und ist daher legal. Die Herstellung, Weitergabe und der Verkauf galt Zeitweise, wie bei anderen Legal Highs, als Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, diese Behandlungsweise wurde aber durch ein Urteil des EuGH gekippt.
  • Schweiz: Seit dem 1.10.2017 ist Kratom in der Schweiz illegal.
  • Dänemark: Kratom ist illegal.
  • Griechenland: Kratom ist legal.
  • Großbritannien: Kratom ist seit 2016 verboten nach dem Psychoactive Substances Act.
  • Lettland: Kratom ist illegal.
  • Litauen: Kratom ist illegal.
  • Niederlande: Kratom ist legal.
  • Polen: Kratom ist illegal.
  • Rumänien: Seit Februar 2010 ist Kratom in Rumänien verboten.
  • Schweden: Kratom ist illegal.
  • Österreich: Kratom ist legal.

Asien und OzeanienBearbeiten

  • ASEAN: Kratom darf nicht als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel zwischen ASEAN-Mitgliedsstaaten gehandelt werden.
  • Thailand: Der Besitz oder Konsum ist seit 1943 verboten.
  • Neuseeland: Kratom ist verschreibungspflichtig und daher illegal für Händler, die Kratom ohne Lizenz verkaufen.

AmerikaBearbeiten

  • Kanada: Die Vermarktung von Kratom-Produkt zum menschlichen Konsum ist seit 2016 illegal. Nicht zum Konsum bestimmte Produkte können hingegen gehandelt werden (halblegal).
  • Vereinigte Staaten: Kratom sollte am 31.10.2016 durch die DEA als Schedule I Droge in der gesamten USA verboten werden, allerdings wurde von diesem Vorhaben aufgrund des öffentlichen Drucks von Wissenschaftlern und Kratomaktivisten Abstand genommen. Mehrere Bundesstaaten haben Kratom aber bereits eigenmächtig verboten.

Literatur Bearbeiten

  1. Kratom - Alles über die einzigartige Mitragyna Speciosa (Leveret Pale, 2016)
  2. Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen (Christian Rätsch)

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. [Kratom (Mitragyna speciosa) dependence, withdrawal symptoms and craving in regular users. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24698080]
  2. [The New York Times: Kratom, an Addict’s Alternative, Is Found to Be Addictive Itself https://www.nytimes.com/2016/01/03/us/kratom-an-addicts-alternative-is-found-to-be-addictive-itself.html]
  3. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21112167
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4425236/
  5. http://livertox.nih.gov/Kratom.htm
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24698080
  7. Erowid.org Kratom Effects
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24698080
  9. 9,0 9,1 9,2 Chittrakarn S, Keawpradub N, Sawangjaroen K, Kansenalak S, Janchawee B: The neuromuscular blockade produced by pure alkaloid, mitragynine and methanol extract of kratom leaves (Mitragyna speciosa Korth.) in Ethnopharmacol (2010)
  10. [Synthetic and Receptor Signaling Explorations of the Mitragyna Alkaloids: Mitragynine as an Atypical Molecular Framework for Opioid Receptor Modulators https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5189718/]
  11. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8982722

Weblinks Bearbeiten

Verwandte DrogenBearbeiten

Opioide (Kategorie)
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Opioid-Agonist 2-MF, 3-MF, Allylprodin, Alphaprodin, Anileridin, Buprenorphin Carfentanyl, Dextropropoxyphen, Exorphine, Fentanyl, Levacetylmethadol, Levomethadon, Meptazinol, Methadon, Mitragynin(Kratom), MPPP, Myrrhe, O-Desmethyltramadol (Krypton), Pentazocin, Pethidin, Piritramid, Prodin, PZM21, Remifentanil, Sufentanil, Tapentadol, Tilidin, Tramadol, W-18 Analgetika
Euphorika
Addiktiva
Morphinane
Desomorphin(Krokodil), Dihydrocodein, Heroin, Hydrocodon, Hydromorphon, Levallorphan, Levorphanol, Oxycodon
Opiate
Codein(Purple drank), Morphin, Thebain, Narcein
Schlafmohn-Zubereitungen: Blaumohn-Plörre(Mohnsaat), Opium, Opium-Tinktur, Opiumessig, Polnische Suppe
Endorphine
α-Endorphin, β-Endorphin, γ-Endorphin, α-Neoendorphin, β-Neoendorphin
Κ-Opioid-Agonist‎ Salvinorin A(Salvia divinorum) Dissoziativa
Opioid-Antagonist Naloxon, Naltrexon Antidot für Opioid-Agonisten