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Laudanum poison 100ml flasche

Nachbildung eines Laudanum-Fläschchens nach Original-Vorbild

Opium-Tinktur (lat. Tinctura Opii), Laudanum oder Meconium ist eine ethanolische Lösung von Schlafmohn- bzw. Opium-Inhaltsstoffen (vgl. Tinktur). Opium-Tinkturen waren bis Anfang des 20. Jahrhunderts weit verbreitete Medikamente. Die vereinzelt heute in manchen Ländern noch gebräuchliche Opium-Tinkturen sind oft stark standardisiert.

Üblich waren vor allem 10%-ige Opium-Tinkturen, d.h. ein Masse-Anteil an Opium auf neun Massen-Anteile an Lösungsmittel (oft 70% Ethanol, 30% Wasser). Bei einem Morphingehalt des Opiums von rund 10% entspricht eine Dosis von 10mg Morphin also etwa 1g Opiumtinktur. Die Menge an Ethanol in einer solchen Lösung ist vernachlässigbar gering (zum Vergleich: ein einzelnes 330ml-Glas Bier enthält allein schon 13g Ethanol).

Vereinzelt wurden auch weitere Zutaten hinzu gefügt, etwa Gewürze wie Zimt, Nelken und Safran, aber auch anticholinerge Nachtschattengewächse, wie Tollkirsche, Alraune oder Bilsenkraut. Anticholinergika, wie Atropin, können gegen die von Opium verursachte Übelkeit wirken, aber auch dessen Wirksamkeit im gefährlichen Maße steigern. Ärzte raten heute vor diesem Mischkonsum entschieden ab.


SortenBearbeiten

Tinctura Opii simplex (Einfache Opiumtinktur)
auch: Laudanum liquidum, Opii tinctura P.J., Tinctura anodyna simplex, Tinctura Eccardi, Tinctura Extracti Opii, Tinctura Meconii, Tinctura Opii, Tinctura thebaica, Teinture d'Extrait d'Opium, Tinture di oppio

Mezerat aus 15 Teilen Opium (mind. 12% Morphin), 70 Teilen Ethanol und 70 Teilen Wasser. Der Morphingehalt soll etwa 0,98 bis 1,02% betragen.

Tinctura Opii crocata (Safranhaltige Opiumtinktur)
auch: Essentia anodyna crocata, Laudanum liquidum Sydenhami, Laudanum Sydenhami P.J., Opii tinctura crocata P.J., Tictura Meconii crocata, Vinum Opii aromaticum, Vinum Opii compositum, Vinum Opii paregoricum, Vinum thebaicum crocatum, Opiumwein, Frohnleichnam.

Opium-Tinktur mit Safran. Einfache Opiumtinktur mit zusätzlich 5 Teilen Safran, 1 Teil gepulverte Gewürznelken, 1 Teil gepulvertem Cylonzimt. Angeblich soll der Safran die Opium-Wirkung verstärken.

Tinctura Opii bencoica (Benzoehaltige oder Campher-haltige Opiumtinktur)
auch: Elixir paregoricum, Elixir paregoricum Edinburgense, Opii tinctura benzoica P.J., Tinctura Camphorae composita, Tinctura Camphorae cum Opio, Tinctura Meconii benzoica, Tinctura Opii camphorata, Gebärmuttertropfen, Compound Tincture of Camphor, Tainture d'Opium camphrée

10 Teile einfache Opiumtinktur mit 183 Teilen Ethanol, 1 Teil Anisöl, 2 Teile Kampferm und 4 Teilen Benzoesäure. Der letztendliche Morphingehalt liegt bei 0,05%. Wurde in Deutschland ausschließlich als Antitussivum verwendet.

Paregoric, camphorated tincture of opium oder lateinisch tinctura opii camphorata war eine ursprünglich Anfang des 18. Jahrhundert als "Elixir Asthmaticum" entwickelte Opium-Tinktur. Das Rezept variierte mit der Zeit und von Land zu Land, wesentliche Bestandteile der Tinkturen waren Opium, Campher, Benzoesäure, Anisöl und manchmal Honig. Paregoric hatte einen wesentlich geringeren Opium-Anteil als die einfache Opiumtinktur, welche als Laudanum bekannt war, weshalb es in einigen Fällen zu Überdosierung durch Verwechslung kam.

Tinctura Opii ammoniata (Ammoniumhaltige Opiumtinktur)

Eine Abwandlung des Paregoric mit Ammonium.


NamenBearbeiten

Die Bezeichnung Laudanum für Opiumtinktur wurde um 1500 von Paracelsus geprägt und leitet sich vermutlich vom lateinischen laudare (loben) ab.

Meconium bedeutet im Griechischen Opium-ähnlich und bezeichnete ursprünglich Schlafmohn-Zubereitungen aus wenig potenten Pflanzenteilen oder anderen Pflanzen. Heute ist die Bezeichnung ungebräuchlich und wird statt dessen meist für den ersten Stuhlgang von Babys verwendet.

Anodynum ist eine veraltete Bezeichnung für Analgetika, Schmerzmittel.

Thebaica verweist auf die ägyptische Stadt Theben. Den Ägyptern wurde seit der Antike eine hohes heilkundliches und alchemistisches Wissen zugeschrieben und ägyptisches Opium galt lange als besonders qualitativ, bis moderne Untersuchungen heraus fanden, das es nur eine vergleichsweise geringe Potenz aufweist. (vgl. Nepenthes)

Verwandte DrogenBearbeiten

Papaver somniferum / Schlafmohn
Pflanzenteile Zubereitungen Wirkstoffe
Mohnsaat
Mohnkapseln
Mohnstroh
Blaumohn-Plörre
Schlafmohntee
Polnische Suppe
Opium
Rauchopium
Opium-Pulver
Opium-Tinktur
Opiumessig
Opial
Opiate
Morphin
Codein
Thebain
Narcein
Nicht-Opiate
Noscapin
Papaverin
Wirkungen Nebenwirkungen Risiken
Opioid
Euphorie
Analgetisch
Sedativ
Antitussiv
antidiarrhoisch
Spasmolytisch
Hypnotisch
Anxiolytisch
Anorektisch
Verstopfung
Appetitlosigkeit
Harnsperre
Bradykardie
Hypotonie
Toleranz-Entwicklung
Potenzstörungen
Opioid-Abhängigkeit / Abstinenzsyndrom
Überdosierung
Tod durch Atemdepression
Sonstiges
Heroin, Berliner Tinke, Goldener Halbmond, Goldenes Dreieck, Nepenthes, Gartenmohn, Opium-Divan, Waldviertler Graumohn, Outdoor Growing, Theriak, Opium-Kriege
andere Mohn-Arten
Papaver bracteatum, Papaver orientale, Papaver rhoeas, Papaver dubium, Papaver argemone, Papaver setigerum
Opioide (Kategorie)
Wechselwirkung Vertreter Häufige Wirkstoffgruppe
Opioid-Agonist 2-MF, 3-MF, Allylprodin, Alphaprodin, Anileridin, Buprenorphin Carfentanyl, Dextropropoxyphen, Exorphine, Fentanyl, Levacetylmethadol, Levomethadon, Meptazinol, Methadon, Mitragynin(Kratom), MPPP, Myrrhe, O-Desmethyltramadol (Krypton), Pentazocin, Pethidin, Piritramid, Prodin, PZM21, Remifentanil, Sufentanil, Tapentadol, Tilidin, Tramadol, W-18 Analgetika
Euphorika
Addiktiva
Morphinane
Desomorphin(Krokodil), Dihydrocodein, Heroin, Hydrocodon, Hydromorphon, Levallorphan, Levorphanol, Oxycodon
Opiate
Codein, Morphin, Thebain, Narcein
Schlafmohn-Zubereitungen: Blaumohn-Plörre(Mohnsaat), Opium, Opium-Tinktur, Opiumessig, Polnische Suppe
Endorphine
α-Endorphin, β-Endorphin, γ-Endorphin, α-Neoendorphin, β-Neoendorphin
Κ-Opioid-Agonist‎ Salvinorin A(Salvia divinorum) Dissoziativa
Opioid-Antagonist Naloxon, Naltrexon Antidot für Opioid-Agonsiten

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