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Stanislav Grof

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Stanislav Grof
(* 1. Juli 1931 in Prag) ist ein Medizinphilosoph, Psychotherapeut und Psychiater. Er rief 1978 zusammen mit den Gründern des Esalen-Instituts, Michael Murphy und Dick Price die ITA (International Transpersonal Association) ins Leben und gilt als einer der Begründer der transpersonalen Psychologie. In ihr werden neben humanistischen Aspekten auch religiöse und spirituelle Erfahrungen der Psyche berücksichtigt.

Leben Bearbeiten

Stanislav Grof studierte an der Karls-Universität in Prag Medizin und Medizinphilosophie. Schon zu Beginn seiner Karriere wirkte er maßgeblich bei einer klinischen Studie zur Untersuchung der Wirkung von Drogen (hier: LSD) in der Psychiatrie mit.

1967 nahm er ein zweijähriges Forschungsstipendium an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore an und blieb anschließend in den USA. Er war Leiter des Psychiatrischen Forschungszentrums in Maryland und Assistenzprofessor für Psychiatrie an der Universitätsklinik der Johns-Hopkins-Universität. Von 1973 bis 1987 unterrichtete und forschte er am Esalen-Institut in Big Sur in Kalifornien. Hier entwickelte er zusammen mit seiner Frau Christina Grof[1][2] die Technik des holotropen Atmens, die er aber immer als ungenügenden Ersatz für eine LSD-Therapie sah (vgl. die Nachworte zu vielen seiner Bücher). Grof hat sich immer wieder als Befürworter der Legalisierung psychedelischer Substanzen ausgesprochen und ist ein Gegner der Prohibition von Drogen. Als Mitbegründer war er von 1978 bis 1982 auch der Vorsitzende der International Transpersonal Association. Seit 1987 lebt und arbeitet er in Mill Valley in Kalifornien.

Am 5. Oktober 2007 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Vision-97-Preis der Dagmar-und-Vaclav-Havel-Stiftung in Prag ausgezeichnet.

Werk Bearbeiten

Bei seiner Arbeit am psychiatrischen Forschungszentrum in Prag erforschte er die Wirkung psychedelischer Drogen (unter anderem LSD) bei Patienten und an sich selbst. Insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren wurde LSD in der medizinisch-psychiatrischen Forschung als Mittel zum Hervorrufen einer so genannten Modellpsychose angesehen und sollte damit Erkenntnisse über Psychosen im Allgemeinen liefern. Nachdem die Einnahme von LSD auch zu Forschungszwecken in vielen Ländern verboten wurde, entwickelte Grof zusammen mit seiner Frau die Technik des holotropen Atmens, eine Technik zur Therapie von psychischen, psychosomatischen und psychiatrischen Störungen.

Grof hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ungewöhnliche Bewusstseinszustände bzw. „Bewusstseinserweiterungen“ – zunächst erzeugt durch Drogen, später durch Atemtechniken oder hervorgerufen durch psychische Erkrankungen (wie Psychosen) und in Ausnahmesituationen – zu erforschen.

Bei den Patienten, die er begleitete, handelte es sich insbesondere um an Neurosen Erkrankte, Drogen- und Alkoholabhängige sowie Krebskranke mit schlechter Prognose, aber auch um Menschen mit Psychosen.

Grof betrachtet das Leben wie auch die Therapie als Spiel. Seine den Therapiemethoden zugrunde liegende Weltanschauung hat einen hinduistischen Hintergrund. Kosmos und Psyche gehören demnach zusammen.

Im Laufe der vielen von ihm geleiteten therapeutischen Sitzungen entdeckte Grof Erfahrungsmuster, die er perinatale Matrizen nannte. Die Gesamtheit der im Rahmen des von ihm geleiteten „Selbsterfahrungstrainings“ bei Klienten durch besondere therapeutische Methoden hervorgerufenen Erfahrungen (und damit von Erfahrungen, die therapeutisch bearbeitet, modifiziert und „transformiert“ werden können) kategorisiert er wie folgt:

  • Erfahrungen psychosomatischer Natur
    • das sind solche, die von der Psychosomatik beschrieben werden.
  • Biographische Erfahrungen
    • sie bestehen im Wiedererinnern von Erfahrungen aus der eigenen Biographie.
  • Perinatale Erfahrungen
    • Wiedererinnerung sog. geburtstraumatischer Erfahrungsmuster.
  • Transpersonale Erfahrungen
    • Erlebnisse, die Raum und Zeit des eigenen menschlichen Lebens überschreiten, gehören zum Gebiet der transpersonalen Psychologie an.

Für Grof sind Geburt und Tod die wichtigsten Erfahrungen im menschlichen Leben.

Vor und während der Geburt unterscheidet Grof vier Phasen des psychischen Erlebens:

  1. Das „Eins-Sein“ mit der Mutter empfindet der Fötus während der Schwangerschaft. (Perinatale Matrix 1)
  2. Das Leben „als Hölle“ empfindet er ab dem Einsetzen der Wehen und Kontraktionen beim Geburtsbeginn. (Perinatale Matrix 2)
  3. Das Leben „als Kampf“ empfindet er während der Austreibungsphase der Geburt. (Perinatale Matrix 3)
  4. Das „Heraustreten in das Licht des Lebens“ empfindet er am Ende des Geburtsvorganges. (Perinatale Matrix 4)

Die Psyche des menschlichen Individuums wird demnach für die ganze Zeit des Lebens zutiefst davon geprägt, welche dieser Phasen ganz am Anfang für die jeweilige Person bestimmend war und wie sie von dem Individuum erlebt wurde (daher der Ausdruck „perinatale Matrizen“, den er dafür prägte; er bedeutet übersetzt etwa „Muster, die aus der Zeit um die Geburt herum stammen“).

Der Austritt aus dem Geburtskanal wird außerdem auch als erste Erfahrung des „Sterbens“ gedeutet.

In ähnlicher Weise teilt S. Grof auch den Sterbeprozess – hierbei Elisabeth Kübler-Ross folgend – in mehrere aufeinander folgende Phasen des psychischen Erlebens ein:

  • „Verleugnung“
  • Wut
  • „Feilschen“
  • Depression
  • „Versöhnung mit dem Schicksal“

Er vertritt die Auffassung, dass die Naturwissenschaften nicht das Instrumentarium böten, das Leben und all seine Phänomene zu erklären. Daher müsse der Tunnelblick überwunden werden, der resultiere, wenn man sich auf diese beschränkt. Es existiere ein universaler Geist, der auch eine politische Dimension habe. Politische und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten seien in diesem universellen Geist überwunden. Die Transpersonale Psychologie werde jeweils durch Kommunikation weitergegeben. Sie erkenne so genannte Gipfelerfahrungen (peak experiences) an, die über das „Alltagsbewusstsein“ hinausreichten. Solche Erfahrungen hätten beispielsweise auch Schamanen beschrieben. „Gipfelerfahrungen“ seien im psychotherapeutischen Prozess hervorzurufen durch bestimmte Drogen bzw. holotrope Atemtechniken.

Dabei müsse der Psychotherapeut ein „Begleiter ohne Angst“ sein, wenn die Therapie gelingen solle.

Grof ist Mitherausgeber der Zeitschrift Transpersonale Psychologie und Psychotherapie und hat umfangreich publiziert. Einige seiner Aufsätze und Bücher sind ins Deutsche übersetzt worden.

Zitat Bearbeiten

Wirkung und Kritik Bearbeiten

Die Methoden Grofs haben teilweise Eingang in eine postmoderne Kombination verschiedener Methoden unterschiedlicher psychologischer Richtungen gefunden. Sein ganzheitlicher Ansatz, der den Rahmen materialistischer Betrachtung verlässt, beansprucht, Mensch und Leben weitaus gerechter zu werden, als das „Mensch-gleich-Materie“-Prinzip.

Das von ihm entwickelte Modell der perinatalen Matrizen wird von den Fachwissenschaften Psychologie und Medizin nicht anerkannt.

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