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Die Substanz-unterstützte Psychotherapie, auch psycholytische Psychotherapie genannt, nutzt die Eigenschaft meist halluzinogener oder entaktogener Substanzen, eine Stimulation der Affektivität und einen traumartigen Erlebnisfluss bei klarem Bewusstsein und gutem Erinnerungsvermögen zu erzeugen.

Die psycholytische Methode bedeutet theoretisch als auch in der klinischen Praxis eine Ausweitung und Modifikation der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie.

Psycholytische Psychotherapie ist nicht zu verwechseln mit konventionellen medikamentös-unterstützen Therapien, welche etwa Antidepressiva, Neuroleptika, Methylphenidat oder Benzodiazepine verwenden können, und auch nicht zu verwechseln mit einer Selbstmedikation des Betroffenen durch Drogenn bzw. Psychonautik.

HistorieBearbeiten

SchamanismusBearbeiten

Die kulturhistorischen Anfänge dieser Therapieformen liegen in vorhistorischer Zeit. Zu jeder Zeit hat der Mensch einzelnen Substanzen eine heilende und transformierende Eigenschaft zugesprochen. Diese Substanzen waren und sind in der Regel eingebettet in einen kulturellen Zusammenhang und spielen oft eine große Rolle in Zeremonien, Ritualen und Religion (Schamanismus).

Heute finden sich vor allem in Südamerika noch unterschiedliche schamanistische Traditionen, welche Drogen in dieser Weise verwenden. Beispiele für solche entheogenen Drogen sind etwa Ayahuasca, Yopo, Ololiuqui, Mescalin-haltige Kakteen, Psilocybinhaltige Pilze und Salvia divinorum.

Insbesondere für Ayahuasca-Erfahrungen hat sich in Südamerika ein Markt entwickelt, bei dem Anbieter von unterschiedlicher Seriosität und religiöse Kulte ("Ayahuasca-Kirchen") den Hunger von meist westlichen Touristen nach bewusstseinserweiternden Erfahrungen stillen.

ModerneBearbeiten

Die Substanz-unterstützte Psychotherapie ist eher ein Konglomerat von Ansätzen als eine einheitliche Schule. Sie ist tendenziell psychoanalytisch oder tiefenpsychologisch orientiert und wurde seit den 60er Jahren auch stark von sogenannten experimentellen, humanistischen Psychotherapieverfahren beeinflusst.

Bereits kurz nach der Entdeckung des halbsynthetischen Psychedelikums LSD durch Albert Hofmann 1943 vermarktete Sandoz es als "Delysid" für die Verwendung in der Psychotherapie, einerseits für die Einnahme durch den Patienten in der psychotherapeutischen Sitzung, andererseits aber auch für die Einnahme durch den Psychotherapeuten, der sich durch die Erfahrung angeblich in die Gedankenwelt eines Psychotikers versetzen sollen könnte (Basierend auf der heute als widerlegt geltenden Hypothese der Modellpsychose).

1960 initiierte der Psychotherapeut Hanscarl Leuner das „Erste europäische Symposion für die Psychotherapie unter LSD 25“ an der Göttinger Universität an der Gäste aus vielen Europäischen Ländern Teilnahmen. 1964 gründete sich die "Europäische Ärztliche Gesellschaft für psycholytische Therapie" (EPT), welche bis 1971 bestand.

Durch die Illegalisierung von LSD (1966 USA, 1967 Deutschland, 1971 Österreich) rückten viele Forscher und Psychotherapeuten von dessen Verwendung ab, während sich bei den verbleibenden sozialkritische Tendenzen verstärkten. Ende der 1970er erschien MDMA als eine Alternative in der Therapeutischen Verwendung bis auch dieses verboten wurde (1985 USA, 1986 Deutschland). 1985 wurde die "Schweizerische Ärztegesellschaft für psycholytische Therapie" durch den Psychiater Peter Baumann gegründet, welche von 1988 bis 1993 eine Ausnahmegenehmigung für die Verwendung von LSD und MDMA zu Forschungszwecken erhielt.

Vielfach wurden psycholytische Verfahren weiterhin im Untergrund praktiziert, wie etwa im Umfeld des Schweizer Psychotherapeuten und Gründers der Kirschblütengemeinschaft Samuel Widmer. Diese illegalen und nicht-anerkannten Therapieformen geraten meist nur dann an das Licht der Öffentlichkeit, wenn die fehlerhafte Anwendung bzw. Zubereitung der Drogen notärztlich Hilfe notwendig macht, wie etwa bei der Massenvergiftung mit 2C-E bei einem Seminar in Handeloh 2015[1] oder dem Tod zweier Patienten bei einer Gruppen-Sitzung 2009 in Berlin-Hermsdorf[2]. Über die Häufigkeit von Komplikationen, bei denen keine Rettungskräfte zum Einsatz kamen oder das Hinzuziehen von Rettungskräften aus Angst vor Entdeckung vermieden wurde, lässt sich nur spekulieren. Es gibt auch Berichte davon, dass Horrortrips bei Gruppensitzungen gezielt durch Gabe von Benzodiazepinen beendet und in einigen Fällen den Betroffenen die Schuld an diesen Horrortrips zugeschrieben wurde, anstatt das der Therapeut zugab einen Behandlungsfehler gemacht zu haben.

Andere Vertreter der Psycholyse versuchten auf legale Wege der Bewusstseinserweiterung auszuweichen, z.B. entwickelte Stanislav Grof, ein Begründer der Transpersonalen Psychologie, die Methode des Holotropen Atmens um veränderte Bewusstseinszustände herbei zu führen.

ForschungBearbeiten

Nach jahrelangen Verboten sind diese Substanzen wieder Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Forschung - sowohl im klinischen als auch im therapeutischen Rahmen - vor allem in der Schweiz, in Israel und in den USA.

ReferenzenBearbeiten

  1. http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Der-Rausch-von-Handeloh-Heilpraktiker-angeklagt,handeloh166.html
  2. http://www.stern.de/panorama/stern-crime/massenvergiftung-in-berlin-haftbefehl-gegen-therapeuten-erlassen-3444860.html

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