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Illustration Lolium temulentum0

Taumel-Lolch (Lolium temulentum), auch Rauschgras, Schlafweizen, Schlafkorn oder Schwindelhafer, ist ein giftiges Süßgras.

Sein Name leitet sich daher, dass es als Unkraut auf Äckern Getreide kontaminieren konnte und die so vergifteten Menschen taumelten oder berauscht waren. Auch temulentum bedeutet im Lateinischen berauschend, taumeln. Es ist auch für Weidevieh giftig. Die Pflanze ist weltweit verbreitet, aber soll u.a. durch den Einsatz von Herbiziden in Deutschland weitgehend verschwunden zu sein.

Es kann leicht mit Deutschem Weidelgras (Lolium perenne) und Italienischem Raygras (Lolium multiflorum) verwechselt werden.

WirkstoffeBearbeiten

Neotyphodium coenophialum

Epichloë coenophiala in den Zellen eines Schwingel-Blattes

Ergovaline

Ergovalin

Es gibt unterschiedliche Angaben zu den Wirkstoffen.

Der endophytisch lebende Pilz Epichloë coenophiala, auch Neotyphodium coenophialum, produziert die Lolin-Alkaloide, welche aus Gift für Insekten wirken, und Ergolin-Alkaloide ("Mutterkorn-Alkaloide"), die für Säugetiere giftig sind. Insbesondere das enthaltene Ergovalin ist giftig und wird hauptsächlich für den Ergotistmus bei Mutterkorn-Vergiftung bzw. Schwingelvergiftung bei Schwingel-Pflanzen verantwortlich gemacht.

Es gibt Versuche mit Epichloë-coenophiala-Stämmen, welche keine Ergoline produzieren, die zeigen, dass ein mit solchen Pilzen besiedelter Rohr-Schwingel nicht giftig für Weidevieh ist.[1]

Weiterhin scheinen Bakterien der Gattung Corynebacterium neurotoxische Corynetoxine in der Pflanze zu produzieren, die z.T. ausschließlich für die Wirkung verantwortlich gemacht werden.[2]

WirkungenBearbeiten

Mit Taumellolch-Vergiftungen verbundene Wirkungen bei Tier und Mensch sind

  • Schwindel, Taumeln, Koordinationsstörungen
  • Krämpfe, Zittern
  • Sehstörungen, Tagblindheit
  • Verwirrtheit
  • Erbrechen
  • Magenbeschwerden
  • Atemnot
  • Müdigkeit, tiefer Schlaf

Tödliche Vergiftungen sollen selten gewesen sein und vermutlich durch Atemdepression verursacht worden sein.

KonsumBearbeiten

Taumellolch findet sich manchmal in Rezepten für Hexen-Flugsalbe, wobei allgemein unklar ist, wie authentisch solche Rezepte sind und ob diese Rezepte überhaupt schon einmal so verwendet wurden. Weiterhin soll es in der Vergangenheit als aktives Streckmittel in Bier dessen Wirkung verstärkt haben. Es gibt desweiteren Spekulationen, dass Taumel-Lolch wirksamer Bestandteil des Kykeon der Mysterien von Eleusis war, neben vieler anderer möglicher Kandidaten.

Trotz dessen, dass diese Pflanze als Unkraut leicht zu kultivieren ist, scheint sie heute praktisch keine Relevanz für Drogenkonsumenten zu haben.

Es findet noch in der Homöopathie Anwendung, wo es aufgrund der für homöpathische Zubereitungen typische Verdünnung aber unwirksam sein sollte.

KulturBearbeiten

Im Matthäusevangelium wird die Pflanze wohl im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen mit der griechischen Bezeichnung zizánion erwähnt. Ähnlich wie bei der Getreide-Ernte, wo der Taumel-Lolch erst bei der Ernte aus dem Getreide aussortiert wird, soll Gott entsprechen die schlechten von den guten Menschen erst am Ende der Zeit aussortieren.

ReferenzenBearbeiten

  1. https://www.animalsciencepublications.org/publications/jas/abstracts/81/11/0812856
  2. https://www.uni-frankfurt.de/55321205/Gifte

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